RED-S im Sport: Wenn Energiemangel zur Gesundheitsgefahr wird

  20.10.2026    WLV Top-News WLV BLV Top-News BLV BW-Leichtathletik Top-News BW-Leichtathletik
Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S) gewinnt im Leistungs- und Breitensport zunehmend an Bedeutung. Eine dauerhaft zu geringe Energieverfügbarkeit kann schwerwiegende Folgen für Gesundheit, Regeneration und Leistungsfähigkeit haben. Umso wichtiger sind Aufklärung, Prävention und das frühzeitige Erkennen möglicher Warnsignale.

Sportliche Leistungsentwicklung basiert auf einem ausgewogenen Zusammenspiel von Training, Regeneration und Ernährung. Wird dem Körper über einen längeren Zeitraum weniger Energie zugeführt, als er für Training, Wettkämpfe und lebenswichtige Körperfunktionen benötigt, kann eine sogenannte Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S) entstehen.

RED-S beschreibt einen Zustand niedriger Energieverfügbarkeit und geht weit über ein reines Ernährungsproblem hinaus. Fehlt dem Körper dauerhaft Energie, beginnt er, bestimmte Prozesse herunterzufahren, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten. Davon betroffen sein können unter anderem das Hormonsystem, der Stoffwechsel, die Knochengesundheit, das Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem sowie die psychische Gesundheit. RED-S kann Frauen und Männer gleichermaßen betreffen und kommt in nahezu allen Sportarten vor.

Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit

Die Anzeichen von RED-S entwickeln sich häufig schleichend und werden deshalb oft erst spät erkannt. Viele Betroffene führen erste Beschwerden auf intensives Training, Wettkampfstress oder eine hohe Alltagsbelastung zurück. Tatsächlich können sie jedoch Hinweise auf eine dauerhaft zu geringe Energieverfügbarkeit sein.

Typische Warnsignale und Auswirkungen sind:

  • Leistung & Regeneration: Spürbarer Leistungsabfall, chronische Erschöpfung und verlängerte Erholungszeiten
  • Körper & Gesundheit: Häufige Infekte, hormonelle Dysbalancen und eine verringerte Knochendichte (Osteopenie/Osteoporose)
  • Verletzungsrisiko: Erhöhte Anfälligkeit für Überlastungsschäden, insbesondere Stressfrakturen
  • Kognition & Wohlbefinden: Konzentrationsschwierigkeiten, depressive Verstimmungen und emotionale Labilität

Besondere Aufmerksamkeit verdienen hormonelle Veränderungen. Bei Sportlerinnen können Zyklusstörungen oder das vollständige Ausbleiben der Menstruation auftreten. Dies sollte niemals als normale Folge eines hohen Trainingsumfangs betrachtet werden, sondern gilt als wichtiges Warnsignal. Bei Männern können beispielsweise ein sinkender Testosteronspiegel oder auch eine verminderte Belastbarkeit auftreten.

Aufklärung und Prävention stärken

Die Prävention von RED-S betrifft nicht nur die Athlet:innen selbst. Auch Trainer:innen, Eltern, Betreuer:innen sowie Verantwortliche in Vereinen und Verbänden spielen eine wichtige Rolle bei der frühzeitigen Erkennung möglicher Risiken.

Zentrale Säulen der Vorbeugung:

  • Offene Gesprächskultur: Enttabuisierung von Themen wie Körperbild, Menstruationsgesundheit und Ernährung
  • Bedarfsgerechte Versorgung: Ausreichende Energie- und Makronährstoffzufuhr, abgestimmt auf Trainingsphasen
  • Belastungssteuerung: Periodisierte Trainingsreize und konsequent eingehaltene Ruhetage

Gerade im Leistungs- und Nachwuchsleistungssport sollte Gesundheit nicht als Gegensatz zu sportlichem Erfolg verstanden werden. Im Gegenteil: Eine langfristige Leistungsentwicklung ist nur auf einer gesunden körperlichen und mentalen Grundlage möglich.

Wo Betroffene Unterstützung finden

Wer bei sich selbst oder im sportlichen Umfeld Anzeichen einer möglichen niedrigen Energieverfügbarkeit bemerkt, sollte frühzeitig professionelle Unterstützung suchen. Erste Anlaufstellen sind Sportmediziner:innen, sportmedizinische Zentren sowie Ernährungsfachkräfte mit Erfahrung im Leistungs- und Spitzensport. Auch Mannschafts- und Verbandsärzt:innen, Sportpsycholog:innen und Physiotherapeut:innen können wichtige Ansprechpartner:innen sein.

Spezialisierte RED-S-Sprechstunden und Anlaufstellen gibt es u. a. an folgenden Standorten:   

  • Universitätsklinikum Tübingen (interdisziplinäre RED-S-Sprechstunde, Sportmedizin)   
  • Universitätsklinikum Freiburg (interdisziplinäre RED-S-Sprechstunde, Sportorthopädie)
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin (Sportmedizin / Sportgynäkologie mit Schwerpunkt RED-S)  
  • Universitätsklinikum Heidelberg (Sprechstunde „Die Frau im Sport“ mit Schwerpunkt RED-S) 

RED-S ist kein Randthema des Sports, sondern ein wichtiges Gesundheits- und Leistungsthema. Eine frühzeitige Sensibilisierung, fundiertes Wissen und der Zugang zu kompetenten Ansprechpersonen helfen dabei, Risiken zu erkennen und Sportler:innen langfristig gesund und leistungsfähig zu halten. Der verantwortungsvolle Umgang mit Belastung, Ernährung und Regeneration bleibt dabei eine zentrale Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg im Leistungssport.

>> Mehr Informationen und Kontakte (Landessportverband Baden-Württemberg e.V.)